Ob im Büro, in der Werkhalle oder im Homeoffice: Die temperatur am arbeitsplatz beeinflusst, wie wir uns fühlen, wie konzentriert wir arbeiten und wie belastbar wir über den Tag bleiben. Ist es zu warm, steigt die Müdigkeit, die Fehlerquote kann zunehmen und der Kreislauf wird stärker gefordert. Ist es zu kalt, leiden Beweglichkeit und Wohlbefinden – und viele greifen unbewusst zu Schonhaltungen, die Verspannungen begünstigen. Temperatur ist damit kein „Luxus-Thema“, sondern ein zentraler Baustein für Gesundheit und Produktivität.
Ob im Büro, in der Werkhalle oder im Homeoffice: Die temperatur am arbeitsplatz beeinflusst, wie wir uns fühlen, wie konzentriert wir arbeiten und wie belastbar wir über den Tag bleiben. Ist es zu warm, steigt die Müdigkeit, die Fehlerquote kann zunehmen und der Kreislauf wird stärker gefordert. Ist es zu kalt, leiden Beweglichkeit und Wohlbefinden – und viele greifen unbewusst zu Schonhaltungen, die Verspannungen begünstigen. Temperatur ist damit kein „Luxus-Thema“, sondern ein zentraler Baustein für Gesundheit und Produktivität.
Warum die richtige raumtemperatur mehr als komfort ist
Ein angenehmes Arbeitsklima entsteht nicht nur durch eine Zahl auf dem Thermometer. Entscheidend ist, ob die Umgebung zur Tätigkeit passt: Bei überwiegend sitzender Arbeit wird ein moderater Bereich häufig als angenehm empfunden, während körperlich aktive Tätigkeiten andere Bedingungen brauchen. Zusätzlich spielen Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Wärmestrahlung (z. B. durch Sonne am Fenster) und Kleidung eine Rolle. Genau deshalb gibt es selten die eine perfekte Temperatur für alle – aber es gibt klare Leitplanken, an denen sich Unternehmen und Beschäftigte orientieren können.
Welche fragen sich beschäftigte und arbeitgeber stellen
In der Praxis drehen sich viele Gespräche um dieselben Punkte: Welche Temperatur ist im Büro sinnvoll? Ab wann wird Hitze zum Arbeitsschutzthema? Und was gilt, wenn es im Winter dauerhaft zu kühl ist? Besonders in Sommermonaten verschärfen Hitzewellen die Lage: Räume heizen sich schneller auf, technische Kühlung kostet Energie, und gleichzeitig steigt der Druck, rechtliche Anforderungen einzuhalten und ein arbeitsfähiges Umfeld zu sichern.
Zwischen arbeitsschutz, energie und alltagstauglichen lösungen
Arbeitgeber stehen dabei im Spannungsfeld zwischen Fürsorgepflicht, Energieeffizienz und den unterschiedlichen Bedürfnissen im Team. Denn selbst bei identischer Raumtemperatur empfinden Menschen Wärme und Kälte verschieden. Umso wichtiger sind transparente Regeln, eine gute Abstimmung im Betrieb und Maßnahmen, die nicht nur kurzfristig „symptomatisch“ wirken, sondern nachhaltig helfen.
Was sie in diesem beitrag erwartet
Im weiteren Verlauf erhalten Sie einen kompakten Überblick über den rechtlichen Rahmen in Deutschland, typische Schwellenwerte bei Hitze und Mindesttemperaturen bei Kälte sowie die wichtigsten gesundheitlichen Auswirkungen. Außerdem zeigen wir praxisnahe Stellschrauben: von Sonnenschutz und Lüftungsstrategien über Pausen- und Arbeitszeitmodelle bis zu einfachen, individuellen Gewohnheiten, die das Wohlbefinden im Arbeitsalltag spürbar verbessern können.
Temperatur am Arbeitsplatz: was das rechtlich bedeutet
In Deutschland ist die temperatur am arbeitsplatz kein „Nice-to-have“, sondern Teil des Arbeitsschutzes. Die Arbeitsstättenverordnung fordert, dass Arbeitsräume eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur haben müssen. Konkreter wird es über die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, insbesondere die ASR A3.5. Sie liefert Orientierungs- und Mindestwerte und beschreibt, welche Maßnahmen bei Hitze oder Kälte zu prüfen sind. Wichtig: Es geht nicht um eine starre Wohlfühlzahl, sondern um eine temperaturgerechte Gestaltung passend zur Tätigkeit, zur Arbeitsbelastung und zu den Umgebungsbedingungen.
Mindest- und schwellenwerte: diese zahlen sind in der praxis entscheidend
Für viele Betriebe sind zwei Bereiche besonders relevant: Mindesttemperaturen bei Kälte (typisch im Winter oder in zugigen Bereichen) und Handlungsschwellen bei Hitze (typisch im Sommer, bei Sonneneinstrahlung oder hoher interner Wärmelast durch Geräte und Menschen). Die folgenden Werte dienen als gängige Orientierung aus ASR A3.5 und werden in der Praxis häufig als Gesprächs- und Prüfgrundlage genutzt:
| Arbeitskontext | Orientierungswert |
|---|---|
| Leichte Arbeit im Sitzen (z. B. Büro) | Mindesttemperatur ca. 20 °C |
| Leichte Arbeit im Stehen oder mittelschwere Arbeit im Sitzen | Mindesttemperatur ca. 19 °C |
| Mittelschwere Arbeit im Stehen/Gehen | Mindesttemperatur ca. 17 °C |
| Schwere körperliche Arbeit | Mindesttemperatur ca. 12 °C |
| Hitze: ab wann Maßnahmen sinnvoll werden | ab ca. 26 °C (Maßnahmen prüfen) |
| Hitze: ab wann Maßnahmen erforderlich sind | ab ca. 30 °C (wirksame Maßnahmen umsetzen) |
| Hitze: wann ein Raum ohne Sondermaßnahmen ungeeignet ist | ab ca. 35 °C |
Gerade bei Hitze ist entscheidend, dass nicht nur die Lufttemperatur zählt: Sonneneinstrahlung am Fenster, fehlende Luftbewegung, hohe Luftfeuchte oder körperliche Arbeit können die Belastung deutlich erhöhen. Deshalb gehört das Thema in die Gefährdungsbeurteilung – inklusive der Frage, welche Personengruppen besonders empfindlich reagieren (z. B. Schwangere, Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen).
Gesundheit und leistung: was hitze und kälte im körper auslösen
Zu hohe Temperaturen belasten den Kreislauf: Der Körper versucht über Schwitzen Wärme abzugeben, dabei gehen Flüssigkeit und Elektrolyte verloren. Typische Folgen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsabfall und eine höhere Fehleranfälligkeit. In Extremfällen kann es zu hitzebedingten Erkrankungen kommen, die medizinisch relevant sind. Kälte wirkt anders: Sie kann die Durchblutung der Extremitäten reduzieren, die Beweglichkeit einschränken und die Feinmotorik verschlechtern. Wer friert, arbeitet häufig verkrampfter, bewegt sich weniger und nimmt unbewusst Schonhaltungen ein – ein ungünstiger Mix für Nacken, Schultern und Rücken.
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Verbessert die Körperhaltung, aktiviert Muskulatur und kann Schmerzen reduzieren.
Auch die mentale Seite spielt mit: Unbehagen durch Wärme oder Kälte erhöht Stress, macht schneller reizbar und erschwert fokussiertes Arbeiten. Das ist einer der Gründe, warum Temperaturmanagement nicht nur „Komfort“, sondern ein Produktivitätsfaktor ist – besonders bei kognitiven Aufgaben, Meetings oder konzentrierter Bildschirmarbeit.
Maßnahmen, die wirklich helfen: technisch, organisatorisch, individuell
Wirksam wird Temperaturmanagement, wenn Arbeitgeber mehrere Ebenen kombinieren. Technisch beginnt es oft mit Sonnenschutz (außenliegend, wenn möglich), sinnvoller Lüftung und dem Reduzieren interner Wärmequellen (z. B. Geräte bündeln, Stand-by vermeiden). Auch eine gute Wartung von Heiz- und Kühlsystemen ist entscheidend, weil schlecht eingestellte Anlagen häufig zu „zu kalt“ oder „zu warm“ führen – und damit zu Beschwerden und Konflikten.
Organisatorisch helfen flexible Arbeitszeiten (früher starten bei Hitze), zusätzliche Kurzpausen, das Verlegen belastender Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten oder – wo möglich – Homeoffice-Optionen. Bei Kälte können klar geregelte Aufwärmzeiten, geeignete Pausenräume und das Vermeiden von Zugluft an festen Arbeitsplätzen viel bewirken.
Individuell sind die Basics oft unterschätzt: ausreichend trinken (bei Hitze regelmäßig, nicht erst bei Durst), leichte Kleidung in Schichten, kurze Bewegungspausen zur Kreislaufaktivierung und das bewusste Wechseln der Haltung. Gerade bei sitzender Arbeit kann ein kurzer Positionswechsel alle 30–60 Minuten helfen, weil er Durchblutung und Aufmerksamkeit stabilisiert – unabhängig davon, ob es eher warm oder eher kühl ist.
Ergonomie und thermischer komfort bei der temperatur am arbeitsplatz
Ein gutes Raumklima entsteht nicht nur durch „richtiges Heizen oder Kühlen“, sondern durch thermische Behaglichkeit. In der Ergonomie wird dafür häufig mit PMV/PPD-Modellen gearbeitet: PMV (predicted mean vote) beschreibt, wie eine größere Gruppe die Temperatur voraussichtlich empfindet (von kalt bis warm), PPD (predicted percentage dissatisfied) schätzt den Anteil der Unzufriedenen. Der praktische Nutzen: Statt nur auf eine Zahl zu schauen, werden auch Luftfeuchte, Luftbewegung, Wärmestrahlung (z. B. Sonne am Fenster), Aktivitätsniveau und Kleidung berücksichtigt.
Für Unternehmen heißt das: Wenn Beschwerden auftreten, lohnt sich ein kurzer „Klima-Check“ am Arbeitsplatz. Häufige Ursachen sind Zugluft durch falsch eingestellte Lüftung, starke Temperaturunterschiede zwischen Zonen (Fensterplätze vs. Innenbereich) oder Überkühlung durch Klimaanlagen. Schon kleine Anpassungen können viel bewirken: Arbeitsplätze nicht direkt in den Luftstrom setzen, Sonnenschutz konsequent nutzen, Geräte mit hoher Abwärme bündeln und regelmäßige Stoßlüftung in kühleren Tageszeiten einplanen.
Ergonomisch wichtig ist außerdem die Kombination aus Klima und Bewegung: Wer friert, nimmt eher Schonhaltungen ein; wer überhitzt, wird schneller träge. Kurze Aktivierungs-Pausen (z. B. 2–3 Minuten gehen, Schulterkreisen, Positionswechsel am Schreibtisch) stabilisieren Kreislauf und Konzentration – unabhängig davon, ob es eher warm oder eher kühl ist. In der Praxis hat sich auch bewährt, Teams einfache „Komfort-Optionen“ zu geben: Decken oder Fußstützen für kühle Zonen, Ventilatoren für einzelne Bereiche (ohne Zugluft auf Nachbarplätze), sowie einen pragmatischen Dresscode, der Schichten ermöglicht.
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Soziale aspekte: wenn temperaturpräferenzen im team kollidieren
Konflikte rund um die temperatur am arbeitsplatz sind häufig weniger technisch als sozial: Eine Person empfindet 22 °C als ideal, die nächste friert, eine dritte klagt über stickige Luft. Dazu kommen Unterschiede im Temperaturempfinden, die u. a. mit Aktivität, Körperbau, Kleidung, Alter, Gesundheitszustand und auch geschlechtsspezifischen Durchschnittsunterschieden zusammenhängen können. Wichtig ist: Subjektives Empfinden ist real, auch wenn das Thermometer „normal“ anzeigt.
Hilfreich sind klare, faire Spielregeln. Dazu gehört, Messwerte transparent zu machen (z. B. einfache Raumthermometer in typischen Problemzonen), Beschwerden zu bündeln (statt täglicher Einzeldebatten) und gemeinsam Maßnahmen zu priorisieren. Ein praktikabler Ansatz ist die Zonenlogik: Bereiche mit eher kühlerer Einstellung für konzentrierte Arbeit, etwas wärmere Zonen für ruhige Tätigkeiten oder Besprechungen – ergänzt durch individuelle Hilfsmittel. Wo das nicht möglich ist, hilft oft schon eine Vereinbarung, wann gelüftet wird, wie lange Fenster geöffnet bleiben und wer die Verantwortung für die Einstellung der Anlage trägt.
Nachhaltigkeit und energieeffizienz ohne komfortverlust
Temperaturmanagement und Klimaschutz schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Viele Maßnahmen verbessern beides gleichzeitig. Außenliegender Sonnenschutz reduziert die Aufheizung im Sommer deutlich und senkt den Kühlbedarf. Dichtungen, sinnvolle Heizkurven und eine bedarfsgerechte Steuerung verhindern Überheizung im Winter. Auch interne Wärmelasten sind ein Hebel: Geräte konsequent ausschalten, Stand-by vermeiden und Drucker oder Server nicht unnötig in Arbeitsbereichen betreiben.
Im Homeoffice wird die Balance oft schwieriger, weil Heiz- und Kühlentscheidungen direkt die eigenen Kosten betreffen. Hier hilft ein „gezieltes Temperieren“: nicht die gesamte Wohnung stark aufheizen oder herunterkühlen, sondern den Arbeitsbereich sinnvoll gestalten (z. B. nicht direkt am kalten Fenster, Zugluft vermeiden, bei Hitze morgens und abends lüften, tagsüber verschatten). Wer im Winter zu kühlen Händen neigt, kann mit warmen Schichten, einer kurzen Bewegungseinheit und einer ergonomischen Handhaltung oft mehr erreichen als mit dauerhaft höherer Raumtemperatur.
Häufig gestellte Fragen
Welche temperatur ist laut Arbeitsstättenverordnung für büros vorgeschrieben?
Die Arbeitsstättenverordnung fordert eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur. Konkrete Mindestwerte werden über die ASR A3.5 konkretisiert: Für leichte, überwiegend sitzende Büroarbeit gilt in der Praxis eine Mindesttemperatur von etwa 20 °C als Orientierung.
Was kann ich tun, wenn es im büro zu heiß oder zu kalt ist?
Sprechen Sie das Problem frühzeitig an und beschreiben Sie konkret, wo und wann es auftritt (z. B. Fensterplatz, Nachmittage, Zugluft). Sinnvoll sind auch einfache Messungen vor Ort. Je nach Situation helfen Sonnenschutz, angepasste Lüftungszeiten, das Umsetzen des Arbeitsplatzes, das Vermeiden von Luftströmen direkt auf Personen oder organisatorische Lösungen wie zusätzliche Pausen.
Welche rechte habe ich als arbeitnehmer bei extremen temperaturen?
Einen Anspruch auf eine bestimmte Wunschtemperatur gibt es in der Regel nicht. Arbeitgeber müssen jedoch Maßnahmen ergreifen, wenn die Bedingungen die Gesundheit beeinträchtigen können. Bei Hitze gelten abgestufte Handlungsschwellen (u. a. ab etwa 26 °C Maßnahmen prüfen, ab etwa 30 °C wirksame Maßnahmen umsetzen; ab etwa 35 °C ist ein Raum ohne Sondermaßnahmen nicht mehr geeignet). Bei Kälte sind Mindesttemperaturen einzuhalten. Betriebsrat oder Arbeitsschutzverantwortliche können dabei wichtige Ansprechpartner sein.
Wie beeinflusst die temperatur die produktivität?
Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen erhöhen die Belastung, verschlechtern Konzentration und steigern die Fehleranfälligkeit. Besonders bei kognitiven Aufgaben kann ein unpassendes Raumklima spürbar Leistung kosten, weil Müdigkeit, Reizbarkeit und Unwohlsein zunehmen.
Welche maßnahmen können arbeitgeber ergreifen, um ein optimales arbeitsklima zu schaffen?
Bewährt ist eine Kombination aus technischen Maßnahmen (Sonnenschutz, Wartung und richtige Einstellung von Heiz-/Kühlsystemen, Reduktion interner Wärmequellen), organisatorischen Maßnahmen (Arbeitszeiten, Pausen, Verlagerung belastender Tätigkeiten, Homeoffice-Optionen) und personenbezogenen Maßnahmen (Getränke, flexible Kleidungsvorgaben, lokale Komfortlösungen ohne Zugluft). Entscheidend ist, die Maßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung zu verankern und Feedback aus dem Team systematisch einzubeziehen.
Källor
- Techniker Krankenkasse. ”Arbeitsrecht: Temperaturen am Arbeitsplatz.”
- Aeris. ”Temperatur am Arbeitsplatz.”
- ArbeitnehmerHilfe. ”Temperatur im Winter am Arbeitsplatz.”
- Universität Jena. ”Hitzebelastung am Arbeitsplatz: Risiken erkennen, Maßnahmen ergreifen.”
- Forum Verlag. ”Mindesttemperatur am Arbeitsplatz.”
- Deine Gesundheitswelt. ”Hitze am Arbeitsplatz.”
- Kununu News. ”Temperatur am Arbeitsplatz.”
- Arbeiterkammer. ”Arbeiten bei Kälte.”
- ETEM. ”Wie warm muss es bei der Arbeit sein?”
- Klima Mensch Gesundheit. ”Hitzeschutz in Betrieben.”
- Verdi BUB. ”Temperatur am Arbeitsplatz unerträglich: Was können Beschäftigte tun?”
- SECO. ”Klima am Arbeitsplatz.”
- IG Metall. ”Hitze am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Beschäftigte.”
- VBG. ”Raumklima im Büro.”
- LGL Bayern. ”Hitze in Gebäuden.”

















